Freitag, 10. April 2015

1. April 2015 Pfäffikon - Die ersten Schritte

Mein Atem bildet ein kleines Rauchwölkchen for meinem Gesicht. Klopfend prasseln die Hagelkörner auf meine rote Kaputze und prallen stechend auf meine Haut. Erschöpft lehne ich mich gegen die hölzerne Brüstung und blicke nach unten in das bewaldete Tal vor der Kyburg. Der Rucksack drückt mir ins Kreuz und scheint nicht 8 Kilo, sondern einen Zentner schwer.
Unten im Tal rauscht der Fluss und trotz des prasselnden Hagels singen die Vögel in den dunklen Baumwipfeln. Ein Lächeln stiehlt sich in mein Gesicht. Ich habe es geschaft. Ich bin auf dem Weg!

Der Abschied von all den lieben Menschen und meinen zwei Katzen war nicht einfach. Nur schon den Mut zusammen zu kratzen und den ersten Schritt dieses Abenteuers zu tun hat Kraft und Durchsetzungsvermögen gebraucht. Doch ich habe es geschafft alle dunklen Gedanken und den Alltag unserer Welt abzuschütteln. Ich habe mir selbst die Erlaubnis gegeben meinem Herz zu folgen und diesen Traum zu leben.

Und so stehe ich jetzt auf Stuffe 223 und blicke hoch zur Kyburg, die dunkel über mir aus dem Wald aufragt.

Als meine Beine zitternd die letzte der 460 Stuffen erklimmen klopft mein Herz laut vor Freude und Anstrengung. Ich suche nach einem ruhigen geschützten Plätzchen für mein Mittagessen. Ich will alleine sein und mich nicht in eine stickige Wirtsstube setzten. Der Hagel hat einem leichten Nieselregen Platz gemacht. Ich wandere über die sanften grünen Hügel und Felder. Da sehe ich ihn. Am Waldrand steht ein hoher Jägerstuhl, fast verborgen in den Bäumen. Ein trockenes Plätzchen! Ich eile hin und erklimme mit meiner schweren Last auf dem Rücken die feuchten Holzstuffen. Ich schiebe den blauen Regenschutz von meinem orangen Rucksack und krame mein Brötchen hervor. Gemütlich sitze ich in der Höhe und blicke über das Land. Plötzlich rüttelt ein Windstoss an meinem kleinen Nest und die Bäume beginnen zu rauschen. Staunend betrachte ich wie die ersten Schneeflocken um mich her tanzen. Immer stärker bläst der Wind und ich spüre wie meine Hände taub werden. Schnell packe ich alles zusammen und schnalle mein oranges Monster auf den Rücken. Ich kralle meine Finger in das nun eisige Holz der Stuffen, während die Schneeflocken wild um mich herum wirbeln. Jetzt nur nicht loslassen und abrutschen. Unten angekommen renne ich durch den Matsch in den schützenden Wald.

Mein Abenteuer hat begonnen.


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